Landvolk Weserbergland wundert sich über Rückschlüsse des VSR-Gewässerschutzes auf Ergebnisse der Nitratmessung
Laut dem in der Ausgabe vom 14. Oktober 2026 der Deister- und Weserzeitung veröffentlichten Bericht zur Nitratmessung in der Weser bei Hameln und der Emmer bei Emmerthal nennt der Verein VSR-Gewässerschutz e.V. Konzentrationen von 17,4 Milligramm Nitrat pro Liter in der Weser und 17,5 Milligramm pro Liter in der Emmer. Der Verein zieht daraus den Rückschluss, dass die Nitratbelastung zu hoch sei und dass überwiegend Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft dafür verantwortlich seien. Das Landvolk Weserbergland wundert sich über diese Einordnung des erzielten Messergebnisses und der daraus gezogenen Schlüsse.
Ein einzelner Messwert hat keine Aussagekraft
Leider fehlt im Zeitungsbericht die wesentliche Information, wann die Probenahmen erfolgten. Ebenso bleibt offen, ob es sich um einzelne Proben oder um Ergebnisse mehrerer Messungen handelt und unter welchen Bedingungen die Untersuchungen stattgefunden haben. Eine einzelne Wasserprobe bildet zunächst nur die Situation zum Zeitpunkt der Entnahme ab. Um die durchschnittliche Belastung eines Gewässers im Jahresverlauf beurteilen zu können, ist eine repräsentative Messreihe erforderlich, welche unterschiedliche Jahreszeiten und Abflussbedingungen berücksichtigt. Ohne entsprechende Vergleichsdaten lässt sich aus einer Einzelmessung kein Jahresmittelwert ableiten. Auch Aussagen über die längerfristige Entwicklung der Nitratbelastung sind auf dieser Grundlage nur eingeschränkt möglich.
Trockenheit beeinflusst die Konzentration im Gewässer
Auch die Witterung muss bei der Bewertung der Messwerte berücksichtigt werden. Das Jahr 2026 war im Weserbergland von Trockenheit geprägt. Bei geringen Niederschlägen und niedrigen Abflüssen steht weniger Wasser zur Verdünnung gelöster Stoffe zur Verfügung. Dadurch können vorhandene Stoffe im Gewässer eine höhere Konzentration erreichen, ohne dass gleichzeitig eine entsprechend höhere Nährstofffracht eingetragen worden sein muss.
Zugleich kann Trockenheit die Sickerwasserbildung und den Oberflächenabfluss verringern. Unter aktuellen Bedingungen können kaum Mengen an Nitrat aus landwirtschaftlichen Flächen ausgewaschen und über Sickerwasser oder Drainagen in Gewässer transportiert werden.
Stellen sich für uns die Fragen: Woher kommen die aktuellen Nitratbelastungen in der Weser mit 17,4 Milligramm pro Liter und der Emmer mit 17,5 Milligramm? Stammen Sie doch aus den sogenannten Punktquellen, den Kläranlagen und industriellen Direkteinleitungen?
Nährstoffbericht zeigt: Stickstoffaufbringung in Hameln-Pyrmont deutlich unter der Obergrenze
Gegen eine Nitratbelastung in Folge der Düngung spricht zudem der aktuelle Nährstoffbericht der Landwirtschaftskammer Niedersachsen 2024/2025: Er weist für den Landkreis Hameln-Pyrmont eine Stickstoffaufbringung aus organischen und organisch-mineralischen Düngemitteln von rund 73 Kilogramm Stickstoff je Hektar aus. Damit liegt der ausgewiesene Kreiswert deutlich unter der gesetzlichen Obergrenze von 170 Kilogramm Stickstoff je Hektar. Seit vielen Jahren veröffentlicht die Landwirtschaftskammer Niedersachsen alljährlich ihren Nährstoffbericht, in welchem landesweit die Mengen an eingesetztem Wirtschafts- und Mineraldünger den Nährstoffbedarfen auf Äckern und Grünland gegenübergestellt werden. Die Berichte sind auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer zu finden.
Bereits seit vielen Jahren wurde auf Kreisebene die gesetzliche Obergrenze für die Aufbringung organischer und organisch-mineralischer Düngemittel eingehalten. Der landesweite Stickstoff-Düngesaldo lag bei minus 38.232 Tonnen. Wir haben es also im niedersächsischen Durchschnitt der Stickstoffversorgung der landwirtschaftlichen Flächen inzwischen mit einer Unterversorgung zu tun. Der drastische Rückgang des Einsatzes von Mineraldüngern in Niedersachsen und der Viehhaltung in Niedersachsen in den vergangenen Jahren bleiben nicht ohne Folgen.
Diese Entwicklung ist beim Grundwasser erkennbar: Bei rund 30 Prozent der betrachteten Messstellen wurden sinkende Nitratwerte festgestellt, während bei mehr als der Hälfte keine signifikante Veränderung erkennbar war.
Diese Ergebnisse machen deutlich, dass Fortschritte beim Nährstoffmanagement und die Entwicklung der Gewässerqualität differenziert betrachtet werden müssen. Die regionalen Zahlen sind ein wichtiger Baustein für die Bewertung der Nährstoffsituation. Sie ersetzen jedoch keine Untersuchung der tatsächlichen Einträge in einzelne Gewässer. Ebenso wenig lässt sich aus einer einzelnen Wasserprobe ableiten, welcher Anteil einer gemessenen Nitratkonzentration auf bestimmte Verursacher zurückzuführen ist.
Landwirte düngen bedarfsgerecht
Die Landwirtinnen und Landwirte im Weserbergland düngen also bedarfsgerecht und ordnungsgemäß.
Das Landvolk Weserbergland sieht daher in der plakativen Hervorhebung einzelner Messwerte keine nachvollziehbare und fachlich belastbare Bewertung der tatsächlichen Situation.